Wie fördern wir Mut & Innovation?

In meiner Rolle als Improve Coach werde ich oft gefragt, ob es ein Rezept gibt um viele und auch innovative Ideen zu generieren. Manche Teams beobachten, dass nach der initialen Euphorie, wo von den Mitarbeitenden viele Ideen generiert werden, irgendwann eine Stagnation stattfindet. Und danach es schwierig ist, wieder Fahrt aufzunehmen, geschweige denn mutige, innovative oder disruptive Ideen zu entwickeln.

 

So kommt dann die Frage "Wie kann ich meine Mitarbeitenden motivieren, um mehr Verbesserungsideen oder Innovationen zu generieren?"

 

Es gibt natürlich kein Geheimrezept. Trotzdem versuche ich, euch aus meiner Sicht einige Denk- und Lösungsansätze mitzugeben. Sie gelten für jede Art von Innovation; sprich für Verbesserungen, Innovationen und Disruptionen. Siehe mein Blogbeitrag Innovationstypen auf unterschiedlichen Disruptionsleveln.

 

Warum braucht es für Innovationen überhaupt die Beteiligung unserer Mitarbeitenden?
Für die Entscheidungsträger ist aufgrund den sich schnell verändernden Rahmenbedingungen immer schwieriger, die richtigen Entscheidungen zu treffen. In unserer unsicheren, komplexen und schnelllebigen Zeit (VUCA) sind Unternehmen mehr denn je von der Zusammenarbeit in der Gruppe und vom Beitrag, der Kreativität, Diversität, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit all ihrer Mitarbeitenden abhängig. Es ist überlebenswichtig , das gesamte verfügbare kreative Potential eines Unternehmens zu nutzen.

 

"Nicht die stärksten oder die intelligentesten Spezies werden überleben, sondern diejenigen, die sich am schnellsten anpassen."
Charles Darwin, mit lieben Grüssen an Nokia & Co :-)

 

Kultur frisst Innovation zum Frühstück
Wenn in einer Gruppe nach einem verheissungsvollen Start die Anzahl eingebrachter Ideen stagniert, ist man versucht zu schlussfolgern, dass vermutlich das Potential ausgeschöpft ist. Aber wir wissen alle, dass dies nicht der Fall ist. Auch gut gemeinte Aufforderungen des Vorgesetzten, werden wohl keine nachhaltige Veränderung bewirken.
 
Es gilt diesen Zustand der "Starre" innerhalb der Gruppe selbstkritisch zu hinterfragen. Wie geht der Vorgesetzte und die Gruppe mit den Menschen um, die neue Ideen einbringen? Bei einer tieferen Betrachtung liegt der Schlüssel zur positiven Veränderung wie fast immer nicht auf Fachwissen, Methoden oder Tools, sondern bei unserem Verhalten. Bei dem Umgang miteinander. Bei der Kultur unserer Gruppe die wir alle mitprägen.
 
Meinungsvielfalt und konstruktiven Umgang fördern
Es lohnt sich innerhalb einer Gruppe verschiedene Meinungen zu fördern und den konstruktiven Umgang damit, kontinuierlich zu üben und zu verbessern.

 

Wenn alle der gleichen Meinung sind, kann dies bedeuten, dass die die Gruppe auf dem richtigen Weg ist. Aber vielleicht auch, dass die Harmonie und Konfliktvermeidung höher gewichtet wird, als die Generierung von neuen Ideen und die Veränderung. Und dies macht die Gruppe nach und nach unflexibel und dumm.
Eine offene Meinungsvielfalt und vor allem ein positiver und konstruktiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten, sehe ich als Zeichen für eine starke Gruppe, die über eine gesunde Austausch- und Konfliktkultur verfügt.

 

"Es genügt nicht andere Meinungen zuzulassen. Wir müssen sie auch fördern." Robert F. Kennedy

 

Wie beurteilst Du die Meinungsvielfalt in Deinem Team?

 

Umgang mit Menschen die Ideen einbringen
Wenn ein Mitarbeiter seine Idee einbringt, dann exponiert er sich, verlässt seine Komfortzone und nimmt unweigerlich Risiken auf sich. Das ist jedes Mal eine mutige und verantwortungsbewusste Entscheidung des Mitarbeitenden. Jedes Mal!

 

Es lohnt sich zu reflektieren wie wir mit diesen mutigen Menschen umgehen:

  • Belohnen wir nur erfolgreiche Ideen?
  • Bestrafen wir ihn mit der Umsetzungsstrafe?
  • Wird das Feedback in der Gruppe für Statuskämpfe missbraucht?
  • Stösst seine Idee in der Gruppe sofort auf Widerstand?
  • Wird seine Initiative mit Killerphrasen oder er gar mit Spott begegnet?

Damit die Quelle der Ideen nicht nach und nach austrocknet, erachte ich als wichtig, dass die Führung und auch die Mitarbeitenden einen positiven und konstruktiven Umgang mit neuen Ideen vorleben. Und das Verhalten in der Gruppe aufmerksam beobachten und zurück spiegeln. Es ist aus meiner Sicht entscheidend, unabhängig der Idee oder des Erfolges, den Mut und die Eigeninitiative des Mitarbeitende zu wertschätzen. Ja sogar zu belohnen. Denn nur aus einer Handlung kann etwas Neues entstehen. Vielleicht kann man innerhalb des Teams das gewünschte Verhalten definieren, wie es mit neuen Ideen umgehen möchte.

 

Fehler zu tolerieren ist nicht genug
Dazu gehört auch, dass wir mehr als Fehler akzeptieren. Ich höre oft "Wir haben eine Fehlerkultur", aber die Bereitschaft Fehler zu entschuldigen ist zwar ok, aber nach meiner Meinung nicht genug, da sie Misserfolge zwar toleriert aber nicht fördert. Um mehr erfolgreiche Innovationen zu entwickeln, müssen wir in Kauf nehmen, auch mehr Versuche und Misserfolge zu produzieren..

 

Wenn nur die Belohnung von Erfolgen stattfindet, wird dies die Mitarbeitenden nach den ersten Misserfolgen davon abhalten, weitere Risiken einzugehen. Wir werden immer wieder die gleichen Fehler machen, wenn Fehler und Misserfolge unter den Teppich gewischt und nicht offen thematisiert werden. Ich habe übrigens noch nie eine Misserfolgsliste gesehen…

 

Ein offener Umgang mit Unsicherheiten und Misserfolgen ist ein Zeichen von Stärke. Wir sollten konsequent die Initiative des Mitarbeitenden unabhängig von Erfolg oder Misserfolg fördern, wertschätzen und belohnen. Weil Misserfolge die Erfahrung für die Erfolge schaffen, dürfen wir auch stolz auf unsere Misserfolge sein. Einzig die Untätigkeit sollten wir "bestrafen".

 

Umgang mit neuen Ideen
Eine kritische Auseinandersetzung mit Ideen ist sehr wichtig. Allerdings sollte dies auf die richtige Weise und vor allem zum richtigen Zeitpunkt erfolgen. Praktisch jede neue Idee stösst zu Beginn auf Widerstand. Erst recht innovative oder disruptive Ideen, die zu Beginn immer komisch oder soger unbequem wirken. In der frühen Phase der Ideenfindung ist Kritik schädlich, weil Ideen so zu schnell gekillt werden, bevor sie so ausgereift sind, dass man ihr wirkliches Potential beurteilen kann. Wir sollten vermehrt unsere Mitarbeitende anspornen, viele und auch komische Ideen einzubringen und diese dann in einer unvoreingenommener Weise weiterzuentwickeln und zu erproben.

 

Innovative und mutige Mitarbeiter brauchen Vertrauen und Sicherheit

"Think out of the box" tönt ja ganz einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Kreative, innovative Querdenker sind ein Schatz für jedes Unternehmen. Diese Fähigkeit findet man aber (noch) sehr selten in Arbeitszeugnissen und Diplomen. Auch die Ausbildungen berücksichtigen sie, nach meiner Meinung, noch zu wenig systematisch. Für ein Unternehmen ist es entscheidend, diese Menschen zu erkennen. Speziell introvertierte oder stille Menschen laufen heutzutage Gefahr, übersehen zu werden.

 

Querdenker sind oft Aussenseiter und riskieren innerhalb einer Firma aufgrund ihrer Nonkonformität benachteiligt zu werden. Der Umgang mit ihnen ist auch nicht immer einfach, vor allem in Bereichen oder Tätigkeiten in den sich Querdenken als nachteilig erweist. Aber am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt, sind ihre Ideen Gold wert.

 

Unsicherheit und Zweifel sind unvermeidliche Bestandteile eines Innovationsprozesses. Wer von uns ist schon bereit, sich zu exponieren und persönliche Risiken in Kauf zu nehmen, speziell wenn im Unternehmen Reorganisationen oder Stellenabbau anstehen. Alle Mitarbeitende und speziell diese Querdenker brauchen von ihrer Führung extrem viel Vertrauen und Sicherheit, damit sie nicht aus Eigenschutz Selbstzensur betreiben und ihre Ideen nicht mehr einbringen.

 

Am Ende des Tages tragen wir alle die Verantwortung, wie wir innerhalb unseres Unternehmens mit unseren Kolleginnen und Kollegen und deren Ideen umgehen. Und wir können alle einen Beitrag leisten, damit der Umgang respektvoll, positiv und bereichernd erfolgt. Entscheidend ist für jegliche Art von Veränderungen vor allem das Vertrauen und die Sicherheit, die wir unseren Mitarbeitenden geben. So schaffen wir gemeinsam Rahmenbedingungen, die Menschen ermutigt und fördert den Mut zu haben, ihre eigenen Ideen einzubringen. Menschen wollen. Wir müssen sie nur lassen.

 

Fabrizio D'Agostino

Improve Coach

 

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